Die berühmten Vorväter des Hauses
Wissenschaftler - Pioniere - Verfolgte

Die folgenden Bilder sind Ausschnitte aus Werken des Berliner Malers und Grafikers Volker Henze. Sie zeigen vier bedeutende Persönlichkeiten, die zu ihren Lebenzeiten auf dem Gelände des heutigen EGZB gewirkt haben.

Prof. Dr. med. Adolf Aron Baginsky (1843 – 1918)
Neben Rudolf Virchow gehörte A. Baginsky zu den Gründern des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Krankenhauses und war dessen erster Leiter. Er machte sich auch um die Sozialpädiatrie verdient. Zu seinen bekanntesten Schriften zählen das „Handbuch der Schulhygiene“ und das "Lehrbuch der Kinderkrankheiten". Auch „Die Pflege des gesunden und kranken Kindes“ erhielt in Fachkreisen große Beachtung.
1877 gründete er mit Alois Monti die „Centralzeitung für Kinderheilkunde“, die später als „Archiv für Kinderheilkunde“ bzw. seit 1972 als "Zeitschrift für Klinische Pädiatrie“ erschien. A. Baginsky setzte sich für die Einrichtung von Milchanstalten zur Gewinnung sauberer Säuglingsmilch, für Kinderkrippen und –asyle, Kinderspielplätze und eine ärztliche Schulaufsicht ein (Oehme 1993). Darüber hinaus entwarf A. Baginsky das heute noch übliche Kinderbett, entwickelte eine elektrische Sicherheitscourveuse (Brutkasten) für Frühgeborene und initiierte die Graduierung von Milchflaschen. Baginsky gehörte zu den Gründungsmitgliedern der Deutschen Gesellschaft für Kinderheilkunde und wurde später zu deren Ehrenmitglied ernannt.

Prof. Dr. Dr. Heinrich Finkelstein (1865 – 1942)
Finkelstein wurden 1865 in Leipzig als Sohn jüdischer Eltern geboren. Von 1901 bis 1918 war Heinrich Finkelstein leitender Oberarzt des Berliner Kinderasyls in der Kürassierstraße und des Städtischen Waisenhauses, wo er medizinisches Können mit sozialem Engagement verband. Heinrich Finkelstein wurde 1918 Nachfolger Baginskys in der Leitung des Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhauses.
Die Machtübernahme der Nationalsozialisten und ihr antijüdischer Terror hatten auch für Heinrich Finkelstein schwerwiegende Folgen: 1935 verlor er seine Lehrberechtigung und alle Titel. Dennoch blieb er zunächst in seinem Heimatland. Erst der Novemberpogrom von 1938 brachte ihn dazu, Deutschland endgültig zu verlassen. Heinrich Finkelstein emigrierte nach Chile. Am 28. Januar 1942 starb Heinrich Finkelstein in Santiago de Chile. Sein Grab wird bis heute von der dortigen Universität in Ehren gehalten.

Prof. Dr. med. Themistocles Gluck (1853 - 1942)
1890 wurde er als chirurgischer Chefarzt an das neue Kaiser-und-Kaiserin-Friedrich-Kinderkrankenhaus berufen. Bis 1924 war er hier tätig. Glucks grundlegende und zukunftsweisende Forschungen zur Behandlung von Gefäß-, Knochen-, Muskel-, Sehnen- und Nerven-Defekten durch Nähen, Transplantation und Plastik-Prothesen wurden anfangs von Kollegen heftig abgelehnt. Schon 1890 hatte er eine Kniegelenksendoprothese, bestehend aus Elfenbein, mit Hilfe von Kolophonium und Gips implantiert.
Gluck konzipierte auch die Zementfixation von Prothesen - eine Idee, die sich erst über ein halbes Jahrhundert später als Behandlungsform durchsetzte. Immer wieder erlitt er aber auch Rückschläge; doch in der Sache konnte ihn das nicht beirren. Für seine Arbeiten an Problemen der Nervennaht und der Nervenregeneration erhielt er den 1. Staatspreis der Berliner Universität. Mit seinen Methoden der Kehlkopfoperation erlangte er Weltruf und wurde sogar für den Nobelpreis im Bereich Medizin vorgeschlagen.

Prof. Dr. med. Ludwig Ferdinand Meyer (1879 - 1954)
Der bekannte Berliner Kinderarzt wurde ebenfalls Opfer des zerstörerischen Wirkens von Rassenwahn und politischem Extremismus: Von Januar bis Mai 1933 war L.F. Meyer Leiter des damaligen Kaiser- und Kaiserin-Friedrich-Krankenhauses. Von den nationalsozialistischen Machthabern wurde er aber bereits nach kurzer Zeit wegen seines jüdischen Glaubens entlassen und emigrierte nach Jerusalem. Dort starb er 1954.
Auf dem Gelände des heutigen Evangelischen Geriatriezentrums erinnert eine Gedenktafel am zentralen Verwaltungsgebäude an L.F. Mayer.