Lernen gegen das Vergessen - LeVer

Demenzerkrankungen und der damit einhergehende Verlust kognitiver Fähigkeiten gehören zu den größten Sorgen vieler älterer Menschen. Unter dem Motto „Lernen gegen das Vergessen“ hat sich ein Konsortium aus fünf Partnern zusammengetan, um innovative Möglichkeiten zum Training der Gehirnleistung zu entwickeln. Das Projekt wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) mit rund 1,7 Millionen Euro gefördert, die Projektlaufzeit reicht von Dez. 2011 – Nov. 2014.

Das EGZB ist Projektkoordinator für dieses spannende Forschungsprojekt und arbeitet insbesondere im Bereich des Übungsdesigns der kognitiven Übungen, mit denen die Gehirnleistung trainiert werden soll.

Aktuelle Informationen finden Sie unter der folgenden Internetseite:
http://www.lever-projekt.de/

Wissenschaftlicher Hintergrund

Noch vor wenigen Jahrzehnten erreichte die Mehrheit der älteren Deutschen nicht einmal das heutige Rentenalter. Im Rahmen des demographischen Wandels ist die Lebenserwartung im Laufe der Zeit stark angestiegen.

Einhergehend mit einer in den letzten Jahrzehnten deutlich verbesserten gesundheitlichen Vorsorge wie sie in den Industrienationen voraussichtlich sogar noch weiter ansteigen. Dabei ist die Lebensphase „Alter“ heute nicht mehr die Phase fehlender Leistungen und des Nicht-mehr-mithalten-Könnens, sondern markiert viel eher eine Passage „später Freiheit“. Nach dem Ende des Erwerbslebens steht oft die Frage nach einer Tätigkeit, mit der die freigewordene Zeit sinnvoll genutzt werden kann. Dazu gehören für viele Menschen neben der intensiveren Beschäftigung mit der eigenen Familie, insbesondere auch das Erlernen neuer Fähigkeiten und die Aneignung neuem Wissens wie interessanter Sprachen, Kulturen und Länder aber auch der eigenen Geschichte. Dass Lernerfolge bis ins hohe Alter möglich sind, wird von aktuellen wissenschaftlichen Ergebnissen untermauert (u.a. Zehnder et al. 2009, Lustig et al. 2009, Husemann 2009).

Das menschliche Gehirn besitzt eine bemerkenswerte Fähigkeit zur Veränderung und Anpassung an veränderte Bedingungen; diese Eigenschaft wird auch Plastizität genannt und hängt entscheidend davon ab, wie stark das Gehirn benutzt oder trainiert wird. Insbesondere im Kindes- und Jugendalter wird diese Fähigkeit stark genutzt, aber auch das erwachsene Gehirn ist flexibel und in der Lage, neue Verbindungen in Bereichen wie dem Hippocampus entstehen zu lassen (Maguire et al. 2000).

Gleichzeitig ist das Gehirn aber kein Muskel, der einfach trainiert werden kann. Das Zusammenspiel der einzelnen Hirnbereiche ist sehr komplex und bis heute erst in Teilen verstanden. Beispielsweise ist das Lernverhalten sehr stark abhängig von Emotion und Affekt. Um die Gehirnleistung möglichst umfassend zu beschreiben, haben Wissenschaftler aus neuropsychologischer Perspektive eine Einteilung in sieben Funktionsbereiche vorgenommen, die alltagsrelevante Aspekte umfassen und exemplarisch für die geistige Leistungsfähigkeit eines Menschen stehen (Steinhagen-Thiessen & Hanke 2002). Diese Funktionsbereiche sind:  

  1. Aufmerksamkeit
  2. Gedächtnis und Lernen
  3. Planen und Problemlösen
  4. Sprache und Sprechen
  5. Bewegungen und Gesten
  6. Visuell-räumliches Denken
  7. Affekt und Persönlichkeit  


Die Mensch-Computer-Kooperation in diesem Bereich ist derzeit Thema intensiver internationaler Forschung und birgt noch ein großes ökonomisches und gesundheitsrelevantes Potential: Dazu gehört sowohl der klinisch-therapeutische Bereich mit seinen spezifischen Anforderungen an Wirksamkeit und Evidenz als auch die Nutzung im privaten Umfeld, die damit verbundene Barrierefreiheit und Finanzierbarkeit für eine möglichst große Zahl an Nutzern.